Die Wahrheit über Fertigfutter-Trends: Premium Hundefutter & Co. – was wirklich drinsteckt

26. Aug. 2025

Wenn ich durch den Hundefuttergang im Supermarkt schlendere, lachen mich Schlagworte wie „Premium Hundefutter“, „natürlich“ oder „getreidefrei“ an. Früher habe ich geglaubt: Wenn es mehr kostet, auf den Verpackungen saftige Fleischstücke und knackiges Gemüse abgebildet ist und es auch noch „gesund“ klingt, dann muss es gut sein. Heute – nach vielen Jahren mit meinen Hunden und durch meine Ausbildung sehe ich diese Versprechen deutlich kritischer.

Denn die Wahrheit über Futtermittel-Trends ist: Oft steckt mehr Marketing als Wissenschaft dahinter. Das bedeutet nicht, dass alles schlecht ist – aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Warum Trends so verlockend sind

Wir alle wollen das Beste für unsere Hunde. Hersteller wissen das und nutzen genau diese Emotionen. Schlagworte wie „Premium“, „Superfoods“ oder „getreidefreies Hundefutter“ spielen mit unserem Wunsch nach möglichst natürlichem Futter. Doch nicht alles, was edel klingt, ist automatisch hochwertiges Hundefutter.

Getreidefreies Hundefutter – Hype oder gesunde Ernährung?

„Getreidefrei“ hat etwas von „natürlicher“ und „gesünder“. Viele Halterinnen greifen deshalb zu getreidefreiem Futter, weil sie glauben, Getreide sei nur ein billiger Füllstoff oder generell schlecht verdaulich oder noch schlimmer – ein Allergieauslöser. Doch unsere Hunde haben sich in ihrer langen Geschichte und ihrem Zusammenleben mit und Menschen an eine Mischkost angepasst und können Stärke aus Getreide gut verwerten, sofern es gekocht ist. Sorten wie Reis oder Hafer liefern leicht verdauliche Energie und Ballaststoffe, welche für viele Hunde wichtig sind.

Auch das Thema Allergien wird häufig missverstanden. Die meisten Futtermittelallergien entstehen durch tierische Proteine wie Rind, Huhn oder auch Milchprodukte (wobei bei letzterem in der Regel eine Unverträglichkeit vorliegt und keine Allergie). Echte Getreideallergien sind dagegen eher selten. Deshalb ist ein Wechsel auf getreidefreies Futter oft gar nicht nötig.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Manche Hunde profitieren bei diagnostizierten Unverträglichkeiten oder Stoffwechselerkrankungen von einer getreidefreien Diät. Auch in einer Eliminationsdiät, wenn die Ursache für Juckreiz oder Magenprobleme gesucht wird, kann getreidefrei sinnvoll sein. Doch für gesunde Hunde ist es schlicht ein Trend ohne Mehrwert.

Premium Hundefutter – Qualität oder nur Marketing?

Mindestens genauso beliebt wie „getreidefrei“ ist das Label „Premium“. Goldene Schrift, glückliche Hunde auf der Verpackung, ein stolzer Preis – das klingt nach Qualität. Doch „Premium“ ist kein geschützter Begriff. Jeder Hersteller darf sein Futter so nennen, egal, was drinsteckt.

Ob ein Futter wirklich hochwertig ist, zeigt sich nicht auf der Vorderseite, sondern hinten im Kleingedruckten. Hochwertiges Eiweiß sollte ganz vorne in der Zutatenliste stehen, ergänzt durch gesunde Fette. Gut verdauliche Kohlenhydrate wie Reis oder Kartoffeln sind besser als billige Nebenerzeugnisse. Und auch bei Zusätzen gilt, weniger ist mehr.

Künstliche Farb- oder Aromastoffe braucht kein Hund. Denn sie haben einerseits ein eingeschränktes Farbspektrum und können den roten Farbstoff der das eigentlich graue Fleisch so wunderbar rosa macht gar nicht erkennen und andererseits riechen sie um ein vielfaches besser als wir. Farb- und Aromastoffe sind ausschließlich für uns Menschen im Hundefutter.

Woran du hochwertiges Hundefutter erkennst

  • Ein hoher Fleischanteil mit klar deklarierten Proteinquellen
  • Gesunde Fette
  • Gut verdauliche Kohlenhydrate statt billiger Füllstoffe
  • Keine künstlichen Farb- und Aromastoffe

Ich hatte schon Tüten in der Hand, die doppelt so viel gekostet haben wie andere – und beim Blick ins Kleingedruckte wurde klar, das außer dem schicken Etikett, nicht viel „Premium“ war.

Insektenprotein und andere neue Trends

Ein Trend, der gerade wächst, ist Futter mit Insektenprotein. Für viele klingt das gewöhnungsbedürftig, dabei hat es durchaus Vorteile: Die Produktion ist nachhaltiger, und für Hunde mit Allergien kann es eine gut verträgliche Alternative sein. Ich kannte vor einigen Jahren eine kleine Französische Bulldogge, die kein Fell auf dem Rücken hatte, dafür nässende Stellen und fürchterlichen Juckreiz. Für sie war Insektenfutter die Rettung und der Weg in ein Leben ohne Leid.

Aber auch hier gilt, es ist kein Allheilmittel. Langfristige Studien fehlen noch, und wie bei jedem Trend sollte man nicht allein aus Neugier umstellen, sondern schauen, ob es wirklich nötig ist und ob der eigene Hund wirklich davon profitiert.

Was wirklich zählt

Tierärztinnen und Ernährungsexperten sind sich einig, dass nicht jeder Trend Unsinn ist, aber auch nicht jede Werbeaussage ist die Rettung. Entscheidend ist, ob das Futter zu deinem Hund passt. Für manche sensible Hunde ist getreidefrei eine Erleichterung. Für viele andere ist es schlicht unnötig. Premium kann tatsächlich hochwertig sein – oder nur ein schönes Etikett.

Die wichtigste Frage bleibt also: Wie geht es deinem Hund mit dem aktuellen Futter? Verträgt er es gut, ist er fit, das Fell glänzt und der Kot normal – dann spricht wenig dagegen. Zeigt er Symptome wie Juckreiz, Durchfall oder ständige Bauchprobleme, lohnt sich ein kritischer Blick – und manchmal eben auch eine Umstellung.

Fazit

Getreidefrei, Premium, Insekten – die Wahrheit über diese Futtermittel-Trends ist, dass sie nicht per se gut oder schlecht sind. Es gibt keine Pauschallösung. Was zählt, sind die Bedürfnisse deines Hundes, eine ehrliche Deklaration und dein eigener Blick auf das, was im Napf landet.

Mein Tipp: Schau dir die Zutatenliste an und beobachte deinen Hund – das ist ehrlicher als jedes „Premium“-Label.

👉 Wenn du tiefer einsteigen willst: In meinem Artikel Deklaration verstehen – Etiketten lesen wie ein Profi zeige ich dir, wie du Zutatenlisten wirklich durchschauen kannst.

Am Ende gilt: Nicht der schönste Trend und nicht die teuerste Verpackung entscheiden über die Gesundheit deines Hundes – sondern das, was er täglich frisst. Schau also lieber zweimal hin, vertraue deinem Bauchgefühl und vor allem deinem Hund.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, dich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. 🐾
Bis zum nächsten Artikel – und bis dahin wünsche ich dir und deiner Lieblingsschnute viele gesunde, glückliche Momente! 💚

Bleibt gesund, du und dein Hund❣️

Deine

Vanessa Seedorf - Expertin für magensensible Hunde

Über mich

Vanessa Seedorf ist das Herz von Lieblingsschnute und angehende, zertifizierte Hundeernährungsberaterin. Ihr besonderer Fokus liegt auf der Ernährung und Unterstützung magensensibler Hunde. Durch die jahrelange Begleitung ihrer eigenen, sensiblen Hündinnen kombiniert sie fundiertes Fachwissen mit echter Praxiserfahrung. Mit ihren Rezepten und Ratgebern hilft sie Hundebesitzern dabei, den Napf wieder mit Leichtigkeit und Wohlbefinden zu füllen – für eine glückliche Schnute und einen entspannten Bauch.

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